Autor Thema: Die Rutschenwende  (Gelesen 1166 mal)

Offline Otto

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Die Rutschenwende
« am: März 07, 2018, 23:37:27 Nachmittag »
Ich habe das Gefühl, dass sich auf dem Markt für Wasserrutschen eine Art Wende vollzogen hat, zumindest in Deutschland.

Noch vor einigen Jahren wurden viele neue Turbo- und Loopingrutschen, oft mit Falltür, gebaut. Wenn sich ein Bad eine neue Rutsche anschaffen wollte, die irgendwie spektakulär und nicht nur Standard sein sollte, dann hieß das meistens: Adrenalin.

Heute hingegen gibt zwei völlig andere Tendenzen. Zum einen werden viele Theming-Rutschen gebaut. Die High-Tech-Rutschen von Klarer mit Infinity Jump, Fake Slide, Touchpoints etc. sprießen überall aus dem Boden.
Zum anderen entstehen vollkommen neue Rutschentypen, bei denen einfach mal in eine völlig andere Richtung gedacht wurde, zum Beispiel Stehrutschen, Windrutschen oder das Slide Wheel.

Ich finde diese Wende nicht schlecht, immerhin sind so schon zahlreiche geniale Rutschen entstanden. Adrenalinrutschen haben natürlich auch ihren Reiz, aber irgendwann sind eben die physikalischen Grenzen der menschlichen Belastbarkeit (oder der TÜV-Regeln) erreicht. Dann kann man z. B. Loopingrutschen nur noch kopieren, und dadurch sind sie bald keine richtige Rarität mehr.

Nehmt ihr das auch so wahr? Und wenn ja, was denkt ihr darüber?
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Die Rutschenwende
« am: März 07, 2018, 23:37:27 Nachmittag »

Offline SilentDiver

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Re: Die Rutschenwende
« Antwort #1 am: März 08, 2018, 19:48:49 Nachmittag »
Ich sehe in den "neuen" Rutschen keine Wende, sondern eher eine Weiterentwicklung, die jedoch in den letzten Jahren - nach Jahrzehnten des Stillstands - ordentlich an Fahrt gewonnen hat.

Bei einem Großteil der normalen Bäder sehe ich da jedoch keine Trendwende. Keine Frage, in den letzten 10 Jahren hat Unmenge neuer Technik in die Rutschenwelt Einzug gehalten. Häufig wird sie jedoch nur im überschaubaren Rahmen eingesetzt, jedenfalls wenn man "normale" Schwimmbädern betrachtet. Anschaffungs-, Wartungs- und Instandhaltungskosten sind für viele komunale Schwimmbäder ein entscheidender Faktor, insbesondere da sie in fast allen Fällen Zuschussbetriebe sind und im Markt nicht konkurrieren müssen, wollen und können.

Von einer Wende würde ich sprechen, falls nur noch solche neuartigen Rutschen gebaut und klassische Rutschen völlig aussterben würden. - Für große Spaßbäder wie bspw. das Aquamargs in Plettenberg würde die Bezeichnung "Rutschenwende" am ehesten noch Sinn machen, da dort eine "neuartige" Rutsche nach der anderen aufgestellt und unter großem Medienecho angepriesen wird.

Wenn ein Bad in dieses teuere Hamsterrad einmal eingestiegen ist, muss es natürlich permanent nachlegen. Dies gilt für Spaßbäder genauso wie für Freizeitparks. Anderenfalls brechen früher oder später die zahlenden Kunden weg, die dann nicht mehr bereit sind weite Anfahrtswege in Kauf zu nehmen. Und so bleibt nur das permanete Investieren und medienwirksame Vermarkten. - Wodurch dann wiederum der Eindruck entsteht, es gäbe nur noch innovative Rutschen.
« Nächste Änderung:  Übermorgen um 13:35:52 von SilentDiver »

Offline Bahnschalker

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Re: Die Rutschenwende
« Antwort #2 am: März 09, 2018, 11:08:47 Vormittag »
Die Bäder haben die Wahl: 08/15 zum überschaubaren Preis - oder spektakuläre Rutschen für viel Geld. Einen Trend erkenne ich nicht wirklich. Es hängt immer vom Publikum ab, das man ansprechen möchte. Und von den Möglichkeiten die Investitionen wieder einzuspielen.

Erkennbar ist, dass man versucht Kapazitäten zu erhöhen, durch Wettkampfrutschen oder X-Tubes/Magic-Eyes.

Offline Otto

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Re: Die Rutschenwende
« Antwort #3 am: März 09, 2018, 11:45:29 Vormittag »
Ja gut, ich meinte das Ganze auch nur auf besondere Rutschen bezogen. Bei den Standard-Rutschen in kleinen Bädern hat sich nicht viel geändert.

Aber bei den besonderen Rutschen ist zum Beispiel die Anzahl der neu gebauten Loopingrutschen und Aquarockets in Deutschland in den letzten 2 Jahren deutlich gesunken, während die der Themingrutschen deutlich gestiegen ist.
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Re: Die Rutschenwende
« Antwort #3 am: März 09, 2018, 11:45:29 Vormittag »

Offline Bahnschalker

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Re: Die Rutschenwende
« Antwort #4 am: März 09, 2018, 18:40:51 Nachmittag »
Warum eher Themen- als Turborutsche?

Die Adrenalinrutschen werden nicht von der Masse genutzt. Dann sind Doppellopingrutschen personalintensiv, da ein “Abschießer* und ein “Retter“ zur Verfügung stehen müssen. Die Themingrutschen haben den Vorteil, dass man zwischen mehreren Themen wählen kann.

Insgesamt glaube ich aber nicht, dass der Markt für Highlightrutschen kleiner wird. Ich fahre ins Palm Beach, weil ich auf Transformer oder Pegasus 2 will. In den Schwarzwald geht es wegen der Halfpipe. Und für den Wildbach im Hansedom Stralsund lohnt sich jeder Kilometer Anreise. Ins Miramar fahre ich gerne am Dienstag Abend zum Nacktrutschen. Das ist ein Vergnügen - auf tollen Rutschen - welches es exklusiv in Weinheim gibt.

Offline bamito

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Re: Die Rutschenwende
« Antwort #5 am: März 21, 2018, 23:55:49 Nachmittag »
Was ich merke, ist auf jeden Fall der Trend zu mehr Technik. Relativ klassische Rutschen ohne Extras gibt es kaum noch neu, ein paar Effekte sind eigentlich immer drin. Touchpoints und Theming mit Programmwahl seh ich immer häufiger.

Was ich allerdings etwas schade finde, ist die Art/Verlauf von Rutschen. Wie schon erwähnt sind viele Kapazitätsmonster dabei, aber der Trend scheint mir nicht nur hier zu familientauglich zu gehen. Unsere Zielgruppe der Adrenalinjunkies wird zumindest bei den normalen Rutschen kaum noch angesprochen (eine Rutsche ala Blauer Wal geht im sitzen als familientauglich durch, im liegen ist er aber auch ganz lecker für uns). Die Turbos gehen alle Richtung Loop/Fallklappe, die ja logischerweise recht kostenintensiv sind. Wo bleiben denn die Turbos ohne Fallklappe? Davon würde ich gern mehr sehen. Klar, die Kapazität ist eher gering und auch der Andrang ist eher klein, aber genau solche Rutschen sorgen ja auch für Attraktivität.
« Letzte Änderung: März 22, 2018, 00:38:52 Vormittag von bamito »
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Offline Windfisch

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Re: Die Rutschenwende
« Antwort #6 am: Juli 08, 2018, 13:44:23 Nachmittag »
Ich würde es nicht als Rutschenwende, sondern allgemein als Bäderwende beschreiben, in meinen Augen auch Bädersterben und Wellnesswahn (so wird es sogar in Fachkreisen genannt)

Die klassischen Freizeitbäder mit ihren geschwungenen Becken, Palmen und kreativen Rutschenverläufen haben ihre Zeit leider hinter sich. Es gibt noch viele, aber die meisten sind Relikte aus ihrer damaligen Zeit. Wirkliche Leuchttürme, wie das Wasserparadies Hildesheim, die wissen, was sie haben und das auch hegen und pflegen, sind selten.

Im "Bestes Bad in NRW" Thread habe ich das schon ausgeführt - die meisten Bäder sind Zuschussgeschäfte, das einzige, was einigermaßen kostendeckend läuft, ist Wellness. Aus diesem Grund gehen immer mehr Badbetreiber von den betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten aus und bauen die Wellnessbereiche massiv aus. Wenn es noch Rutschen bei einem Neubauprojekt gibt, dann meist eine Standard-Acht mit Erweiterungsoption (die aber so gut wie nie genutzt wird), damit es den Kindern nicht langweilig wird, während die Eltern im Aufguss sitzen oder ihre 1000m Freistil im Sportbecken wegschrubben. Die "Kohle" wird aber im Wellnessbereich gemacht - denn die Saunakunden zahlen ohne zu meckern 20 Euro und mehr, während z.B. in Hildesheim ein Sturm der Entrüstung losbrach, als nach Eröffnung der neuen Rutsche die Preise für Bad ohne Sauna um läppische 60 Cent erhöht wurden. Was denn nun - Wasch mich, aber mach mich nicht nass?
Das liegt auch daran, dass Freizeitbäder nicht den Stellenwert einer Freizeitattraktion haben, sondern als Schwimmbäder mit Extras angesehen werden, mit Ausnahme der Großbäder. Und die veranstalten untereinander ein Wettrüsten, wo immer mehr High-Tech-Rutschen gebaut werden, bei denen natürlich auch immer mehr kaputt gehen kann. Center Parcs hat da die Zeichen der Zeit erkannt - ich finde es z.B. gut, dass im Park Bostalsee nur Standardrutschen gebaut wurden, denn das ist erprobte und ausgereifte Technik, die zuverlässig sein dürfte.

Wir sehen derzeit eine Zweiteilung. Die fließenden Übergänge, wie wir sie bisher hatten - von Schwimmhalle mit Rutsche und Sauna über städtisches Freizeitbad bis hin zum Großbad - verschwinden, stattdessen gibt es auf der einen Seite Stadtbäder nach dem Baukastenprinzip, hässliche Stahl-, Glas- und Sichtbeton-Abominationen mit langweiligen, rechteckigen Becken und als Rutsche eine Standard-Acht für die Kinder und auf der anderen Seite die Großbäder, die zwar viele Attraktionen zu bieten haben, aber oftmals ihre Schwächen bei Kundenfreundlichkeit, Engagement der Mitarbeiter, Improvisationstalent bei Defekten haben und mehr nach dem Prinzip "Abfertigung" und "Schema F" operieren. Da kann man leider nur noch zwischen zwei Übeln wählen - und hoffen, dass die letzten verbleibenden Leuchttürme noch eine Weile bestehen bleiben. Bei Hildesheim habe ich da Hoffnungen. Für Stadthagen sehe ich leider schwarz, da immer wieder kurz vor der geplanten Neueröffnung weitere Defekte auftreten, habe ich da die Befürchtung, dass sich die Reparatur noch länger hinzieht und schließlich nur noch der Wellnessbereich betrieben und evtl. das 25m-Becken für die Schulen und Vereine wieder flott gemacht wird. Und bei den anderen, z.B. Kurhessen Therme, Heveney, aquadrom Hockenheim, H2O Herford, muss man abwarten, was in der Zukunft daraus wird.
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Offline Otto

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Re: Die Rutschenwende
« Antwort #7 am: Juli 10, 2018, 18:13:19 Nachmittag »
Diese Tendenz zur Zweiteilung sehe ich durchaus auch - das ist dann nochmal eine ganz andere Wende, als ich oben beschrieben habe. Zum Glück gibt es zwischen beiden Extremen noch so viele Bäder, dass ich noch keine Angst habe, dass die einfach alle verschwinden.

Interessanterweise haben sich gerade viele Nicht-Großbäder eine Themingrutschen angeschafft, etwa in Hildesheim.
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Offline Otto

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Re: Die Rutschenwende
« Antwort #8 am: Juli 11, 2018, 15:30:46 Nachmittag »
Hier noch ein netter Text zum Thema (Frei)Bädersterben: https://www.jetzt.de/meine-theorie/immer-mehr-freibaeder-muessen-schliessen
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Offline Windfisch

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Re: Die Rutschenwende
« Antwort #9 am: Juli 11, 2018, 16:46:37 Nachmittag »
Ein schöner Artikel, dem ich allerdings nicht zu 100% zustimmen kann, vor allem diesem Teil:

Zitat
Die Zahlen der Schwimmbadbesucher sind in den vergangenen Jahren nach oben gegangen, was unter anderem auch mit den immer heißer werdenden Sommern zu tun hat.

Bei uns sind die Besucherzahlen stark rückläufig und gut besucht sind Freibäder nur noch bei >= 30 Grad. Allerdings habe ich auch beobachtet, dass es bzgl. der Bäder-Beliebtheit auch ein Nord-Süd-Gefälle gibt, das ich mir nicht erklären kann.
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