Beheiztes Freibad Harsefeld - Geheimtipp gleich zum Saisonstart

  • Nachdem es vor knapp zwei Wochen noch tiefster Winter war - sogar hier nahe der Nordsee hatte es noch einmal geschneit und es blieb sogar kurzzeitig liegen - meinte es Petrus mit uns doch noch gut und fand pünktlich zum langen Wochenende den "Sommer-Schalter". Nachdem ich am Donnerstag und Freitag in mir bereits bekannten Bädern in Geesthacht und Twistringen war, mich gestern durch das Verkehrschaos in Hamburg quälte (Hafengeburtstag und HSV-Spiel), um nach Wedel in die Badebucht zu gehen, fuhr ich heute mal nicht so weit und stattete meiner letzten Zufallsentdeckung einen Besuch ab. Das Freibad in Harsefeld fand ich zufällig bei der Netz-Recherche nach Öffnungszeiten des Heidebades in Buxtehude und des Freibereichs des Solemio in Stade. Ich erwartete davon nichts, sah aber auf einem Foto einen Sofaauslauf einer Riesenrutsche, und nach etwas weiterer Recherche war klar: Es gibt hier eine 51m lange Rutsche, also muss ich da mal hin.


    Harsefeld hat einen Haltepunkt an der EVB-Strecke Buxtehude - Bremervörde - Bremerhaven - Cuxhaven und befindet sich noch im HVV-Verbundgebiet. Von dort muss man noch etwa 1,5km Fußweg zurücklegen, ehe man am Bad ist.


    Der Eintritt ist mit 3,20 Euro für einen Erwachsenen im unteren Bereich für die Region angesiedelt, aber dafür bekommt man ein waschechtes Freizeitbad geboten! Auf dem Google-Maps-Luftbild sieht man zwar nur ein einfaches Dorf-Freibad, jedoch wurde die Anlage vor nicht allzu langer Zeit saniert und aufgehübscht. Wer ein Apple-Gerät sein Eigen nennt, findet bei Apple Maps bereits ein aktuelleres Luftbild.


    Der Umkleidebereich ist modern, sauber und gut gepflegt, Schränke sind ausreichend vorhanden, Schlüssel gibt es wie üblich gegen 1 oder 2 Euro Pfand. An der Außenfassade des Umkleidegebäudes ist zusätzlich eine kleine Anzahl Wertfächer zu finden.


    Zur Linken kommt man dann zum Sportbecken, welches mit 6 Bahnen auf 50m Länge, 5 davon mit Startblöcken, genug Platz zum sportlichen schwimmen bietet. Der seitlich angebrachte Sprungturm bietet mit 1, 3 und 5m die freibadtypischen Absprunghöhen, beim Einer und Dreier gibt es je eine Variante mit Federbrett und eine mit Plattform.


    Auf der rechten Seite befindet sich der Planschbereich für Kleinkinder. Drei unterschiedliche Planschbecken mit verschiedenem Charakter lassen bei den jüngsten Badegästen sicher keine Langeweile aufkommen. Das erste ist ein "natürlich angelegtes", hier wurde eine Vertiefung in den gepflasterten Platz eingebaut, in der sich Wasser aus einem Zulauf ergießt, der als Schiffchenkanal genutzt und mit einem Stauelement abgesperrt werden kann. Als zusätzliches Spielelement gibt es eine archimedische Schraube, mit der das Wasser auf einen kleinen Hügel befördert werden kann.
    Das zweite Planschbecken ist eines dieser modernen Kunststoffbecken, welches mit zwei Minirutschen und allerlei Spritzfiguren (Schlange, Clown, Schildkröte, irgendwas delfin-artiges) aufwarten kann. Die Schildkröte und das Delfin-Ding spritzen Wasser, wenn man an dort angebrachten Hebeln zieht.
    Das dritte ist wiederum eine gepflasterte Kuhle mit einer kleinen Insel in der Mitte.


    Dazwischen findet man das Erlebnisbecken. Dieses hatte heute freibad-untypische, warme 25,5 Grad. Als Wasserattraktionen werden Sprudelliegen, eine Wasserkanone, ein Wasserschleier und Gegenstromdüsen geboten. Außerdem dient ein Ausläufer als Landebereich der zwei Rutschen. Es ist ungewöhnlich, dass ein kleines Gemeindefreibad mehrere Rutschen hat, zumindest hier in Norddeutschland, aber das Freibad Harsefeld ist eine der Ausnahmen.


    Die kleinere der beiden ist eine Breitrutsche von Hartwigsen / Aquarena, die 2010 bei dem Umbau nachgerüstet wurde. Die Rutschanleitung gibt 2,84m Höhe bei 11,5m Länge an, was recht ordentlich ist, die Anlage hat auch eine markante Bodenwelle. Leider hebt man auf ihr aber nicht ab - mit der richtigen Technik kann man aber zumindest schön schnell werden, und vor allem bei Familien oder Freundesgruppen, die die Rutsche gemeinsam nutzen können, war sie sehr beliebt. Auch ich bin ein paarmal gerutscht, es ist eine schöne Ergänzung des Angebots.


    Richtig interessant ist aber die Großrutsche. An der Rutschanleitung steht Hartwigsen, als Baujahr ist 1999 angegeben, allerdings ist das wohl nur die halbe Wahrheit, denn es ist zweifelsohne eine VE700 oder ihr Rolba-Pendant RN700. Die Höhen- und Längenangaben klingen erst einmal standard - 5,6m Höhenunterschied bei 51m Länge ist ein leicht steileres Gefälle als die üblichen 10%, aber nur ganz minimal. Eine Ampel gibt es nicht, aber der Verlauf ist von oben komplett einsehbar und kurz vor Ende sind gelbe Punkte auf der Rutschfläche aufgebracht, die als Markierung zum Losrutschen für den Nachfolger dienen. Die Anlage hat ein 80er-Jahre-typisches Schlangenlinienlayout und vollführt durch ihre alte Pfeilerbauweise keine einzige Komplett-Helix. Es geht immer nur rechts, links, rechts, links... und bedingt durch die enge Rutschwanne schaukelt man trotz recht niedriger Geschwindigkeit gewaltig in den Kurven umher. Mir gefallen solche schaukeligen Layouts besser als das heute moderne harmonische und homogene Helixgeschwurbel. Die Rutsche hatte mal einen Plumpsauslauf, der aber leider zum Sofaauslauf umgebaut wurde. Schade, aber trotzdem ist sie sehr gut. Obwohl sie mutmaßlich noch aus den 1980ern stammt, sind auch die Fugen einwandfrei verarbeitet und kaum zu spüren.


    Einziger Wermutstropfen war der recht hohe "Konkret-Krass"-Faktor, was aber wohl auch daran liegt, dass dies im Landkreis derzeit das einzige offene Freibad ist, und es dadurch und durch das schöne Wetter heute recht voll war. Das Personal passt aber gut auf und so war es trotzdem recht gesittet und diszipliniert.


    Fazit: Zum Start der Saison gleich eine solche Überraschung - hoffentlich ist das ein gutes Omen! Für eine weite Anreise freilich als alleiniges Ziel nicht wirklich lohnend, aber wenn man eine Bädertour in diese Region macht, oder sich aus anderen Gründen gerade im Raum Hamburg aufhält, dann ist dieses Bad ein echter Geheimtipp! Sehr gut lässt sich das mit dem Freibad in Hollenstedt kombinieren, dort gibt es eine ähnlich gute Rutsche mit sehr heftigem Plumpsauslauf, eigentlich ist das ein "Schieß-Auslauf", und mit dem Heidebad in Buxtehude.

  • Heute war es nicht so voll wie vor zwei Wochen, und so hatte ich die Möglichkeit, ein paar Bilder von der Rutsche zu machen.






    Die Rutschen liefen bei meiner Ankunft heute noch nicht, aber das war nach einer netten Frage kein Problem - nachdem ich in der Badehose war, stellte man beide Anlagen an, obwohl ich zunächst der einzige Badegast mit Rutsch-Interesse war.


    In Harsefeld ist also für 3,20 Euro Eintritt kein Problem, was in Erding für ca. das zehnfache eine schier unlösbare Sache scheint. Selbst nach Einweihung der neuen Außenrutschen hat sich da nicht viel geändert, ich zitiere die Antwort auf eine Mail, die ich vor längerer Zeit dort hin schickte:


    Zitat


    Ihnen stehen unsere Sommerrutschen ab ca. April bei einer Temperatur von mindestens 18° C zur Verfügung.
    Eine garantierte Öffnung der Aussenrutschen kann von unserer Seite nicht gegeben werden, da es verschieden Wetterverhältnisse gibt die, die Schließung der Aussenrutschen erfordert.


    Das bekräftigt wieder einmal meine Meinung: Die kleinen machen's besser!